Traumhaftes Erlebnis
Chinesische Universitätsauswahl auf Einladung von Eintracht Frankfurt in der Region
Angekündigt war die chinesische U18-Nationalmannschaft. Die erschien zwar nicht auf dem Sportplatz in Langstadt, aber auch das Testspiel zwischen dem Verbandsligisten SG Langstadt/Babenhausen und einer Auswahl zweier chinesischer Universitäten sorgte für internationales Flair. Die Gastgeber setzten sich nach dreimal 30 Minuten mit 4:2 durch.
Die Spieler der Tsinghua University High School und der Jinan Licheng No. 2 High School sind derzeit auf Einladung von Eintracht Frankfurt in Deutschland zu Gast. „Sie machen Leistungsvergleiche, um einfach mal zu sehen, wie weit sie sind. Die Kooperation mit den Universitäten pflegen wir seit fünf Jahren“, erklärt Ernest Strul. Der frühere Torhüter von mehreren Vereinen in der Region, der unter anderem auch mal für den TSV Langstadt spielte, ist mittlerweile „Senior Manager“ bei der Eintracht Frankfurt International GmbH. Geschäftsführer dieser GmbH ist Nicolai Adam, der ebenfalls im lokalen Fußball kein Unbekannter ist. Der gebürtige Seligenstädter spielte früher unter anderem für Germania Ober-Roden und war auch bei Hassia Dieburg unter Trainer Wolfgang Kern aktiv. Kern ist heute Sportlicher Leiter bei der SG Langstadt/Babenhausen, die am Wochenende in der Liga spielfrei war. So war der Weg frei für das Testspiel gegen das Team aus Fernost.
Gäste sind begeistert von Deutschland
Nicht nur die Spieler, sondern auch der Trainer der chinesischen Mannschaft, der Koreaner ist, sei begeistert vom Aufenthalt in Deutschland. „Er saugt alles auf. Für ihn ist das eine einmalige Chance, die Eintracht so nahe kennenzulernen“, sagt Beixin Gu, der für die Eintracht für die chinesischen Gäste während ihrer Zeit in Deutschland als Übersetzer tätig ist. Beixin Gu ist im Sportmanagement tätig und spricht perfekt Deutsch. Er ist der Sohn von Guangming Gu, der 1987 für Darmstadt 98 als erster Chinese im deutschen Profifußball debütierte. „Sie freuen sich, dass sie hier sein dürfen. Für sie ist es ein Traum, einen Bundesligaverein von innen zu erleben“, meint Beixin Gu. Spätestens nach der Reise nach Deutschland werde die Bundesliga der große Traum der Spieler sein, vermutet er. Etwas realistischer ist es, dass einer der Spieler in der ersten chinesischen Liga, der Chinese Super League, Fuß fasst. Die hat laut Beixin Gu in etwa deutsches Zweitliganiveau. Zeitgleich mit den jungen Spielern ist auch eine Gruppe junger Spielerinnen aus China bei der Eintracht zu Gast, die ebenfalls Testspiele bestreitet. 63 Gäste sind es insgesamt. Die Antwort einiger Spieler in Langstadt, wie ihnen denn der Deutschland-Trip gefalle, fällt kurz, aber deutlich aus: „Very good!“
Die Eintracht bereitete das komplette Trainingslager vor. Die Gäste aus China, die sich auf ein großes internationales Turnier im Oktober in Shanghai vorbereiten, trainieren in Rüsselsheim im Stadion am Sommerdamm. Das Spiel in Langstadt war bereits der dritte Test der chinesischen Auswahl während ihres Deutschland-Aufenthaltes. Nach den Niederlagen gegen die U19-Teams des OFC (1:4) und der Eintracht (0:6) gab es auch beim 2:4 beim Männer-Verbandsligisten Langstadt/Babenhausen eine Niederlage. Gian Luca Pertosa brachte Langstadt/Babenhausen in Führung, nach zwei Dritteln lagen aber die Chinesen 2:1 vorn. In den letzten 30 Minuten sicherten zweimal Kyran Chambron Pinho und Felix Lau der SG mit ihren Toren den 4:2-Sieg. Am Mittwoch (19.30 Uhr) geht es zur U19 des OSC Rosenhöhe, aktuell Hessenliga-Tabellenführer. Außerdem spielen die Chinesen noch beim Herren-Gruppenligisten 1. FC Erlensee. Unter anderem stehen auch eine Stadiontour und der Besuch des letzten Eintracht-Heimspiels gegen den VfB Stuttgart auf dem Programm.
Eintracht im 9. Jahr aktiv in China
Die Eintracht hat im Rahmen ihrer internationalen Aktivitäten in Shenzhen im Süden des Landes eine Akademie mit einem festen Trainerteam, das vor Ort vier Mannschaften trainiert. „Wir haben es geschafft, vier U15-Nationalspieler herauszubringen. So sind wir in China sehr präsent. Dadurch kamen auch die Kooperationen mit den Universitäten zustande“, berichtet Ernest Strul. Bei ihren Kooperationen konzentriert sich die Eintracht auf Schulen und Universitäten. „Wir arbeiten nachhaltig und sind jetzt im neunten Jahr in China aktiv“, unterstreicht Nicolai Adam. Ähnlich agiert die Eintracht in Japan. Adam ist als Technischer Direktor verantwortlich für die internationalen Aktivitäten, neben China und Japan unter anderem auch in den USA und in Südkorea. „Wir wollen dort mit unseren Akademien als Eintracht Frankfurt eine Dauerpräsenz haben, auch um nach Talenten Ausschau zu halten.“ Neben dem sportlichen Aspekt will der Verein generell internationale Beziehungen pflegen. „Ich bin überall auf der Welt unterwegs, wo die Eintracht die Möglichkeit sieht, über den Sport Brücken zu schlagen“, beschreibt Nicolai Adam seine Aufgabe. Er war auch schon Jugendnationaltrainer in Indien und Aserbaidschan, Trainerausbilder für DFB und Fifa in Afrika und als aktiver Spieler neben seinen Stationen in der Region auch in Japan und Australien.

